Or­gel und Or­ches­ter in traum­haft-sen­si­bler Har­mo­nie
VON UDO SPEL­LE­KEN
GEL­DERN Im Rah­men der Geist­li­chen Kon­zer­te an St. Ma­ria Mag­da­le­na hat­ten Kan­tor Die­ter Lo­renz (Or­gel) und Mit­glie­der der Duis­bur­ger Phil­har­mo­ni­ker un­ter der Lei­tung von Kon­zert­meis­te­rin An­ke Be­cker zu ei­nem Kon­zert für „Or­gel und Or­ches­ter“ ein­ge­la­den. Mit Ge­org Fried­rich Hän­dels „Or­gel­kon­zert Nr. 4, F-Dur“ wur­de an der Haupt­or­gel der Rei­gen kam­mer­mu­si­ka­li­scher Glanz­stü­cke aus Ba­rock, Vor­klas­sik, Wie­ner Klas­sik und Ro­man­tik er­öff­net.
Mit er­ha­be­nen Ak­kor­den ei­ner fran­zö­si­schen Ou­ver­tü­re brach­ten die Mu­si­ker die Er­eig­nis­se in Gang, um gleich dar­auf ei­nem emp­find­sa­men Tril­ler Raum zu ge­ben, mit dem sich der Or­gel­klang aus dem Or­ches­ter her­aus­lös­te und in ei­ne im­pro­vi­siert wir­ken­de, ka­den­zie­ren­de Ab­fol­ge von Ak­kor­den mün­de­te. Die fein ab­ge­stuf­te Dy­na­mik der Strei­cher, mo­dera­te Tem­pi und ein ge­die­ge­nes Or­gel­spiel über­zeug­ten mit ei­ner Klang­viel­falt, in der Hän­dels kom­po­si­to­ri­sche Sou­ve­rä­ni­tät in ei­ne höchst ab­wechs­lungs­rei­che In­ter­pre­ta­ti­on auf­ge­fä­chert wur­de. So wur­den im „An­dan­te“ un­ge­wöhn­li­che Tief­grün­dig­kei­ten er­spürt, die durch mi­ni­ma­le Mo­di­fi­ka­tio­nen bei der Ab­fol­ge von So­li und Tut­ti ent­stan­den und von dem glän­zend agie­ren­den, klang­lich sehr ge­schlos­sen ar­bei­ten­den Or­ches­ter be­tont wur­den.
Mo­zarts „Kir­chen­so­na­te C-Dur KV 336“ wirk­te im Al­tar­raum kon­zer­tant mit ei­nem sen­si­bel ge­führ­ten, trans­pa­ren­ten Or­ches­ter und ei­ner im Vor­trag ge­schmei­di­gen und reich aus­ge­zier­ten Or­gel, die in man­chen Pas­sa­gen an ei­nen Kla­vier­satz in Kla­vier­kon­zer­ten er­in­ner­te. Von ei­ner be­deu­ten­den tsche­chi­schen Kom­po­nis­ten­per­sön­lich­keit der so ge­nann­ten „Vor­klas­sik“, Franz Xa­ver Bri­xi, war das „Or­gel­kon­zert Nr. 2, C-Dur“ zu hö­ren. Lo­renz be­weg­te sich da­bei un­er­müd­lich und mit gro­ßer Vir­tuo­si­tät durch die oft end­lo­sen Ska­len­fi­gu­ren, be­leb­te das „Ada­gio“ durch fei­ne ago­gi­sche Nu­an­cen, sorg­te für ein ak­zen­tu­ier­tes und sti­lis­tisch si­che­res Spiel. Das Or­ches­ter er­leb­ten die Zu­hö­rer als sen­si­blen Part­ner.
An­rüh­rend und un­auf­dring­lich, da­bei aber stil­si­cher und kom­pe­tent er­klang zum Ab­schluss von der Em­po­re das „Kon­zert für Or­gel und Streich­or­ches­ter“ von Chris­ti­an Hein­rich Rinck. Das als „Flö­ten­kon­zert“ be­kann­te Werk be­sticht durch sei­ne me­lo­disch har­mo­ni­sche Mu­si­ka­li­tät und Aus­drucks­kraft so­wie klas­sisch ro­man­ti­sche Ele­ganz. Mit be­geis­ter­tem Ap­plaus wur­den die Ak­teu­re be­lohnt und be­dank­ten sich mit dem „Air“ von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach aus der 3. Sui­te für Or­ches­ter (D-Dur; BWV 1068), ei­nem traum­haf­ten Ab­schluss.